Aktivitäten & Projekte
Mini-WM: Die wahren Weltmeister sind Griechenland, Spanien, England und Argentinien.
Mit der Hilfe von SV Blau Weiss Berolina-Mitte trug die Papageno-Schule eine WM aus - noch viel spannender, als die in Südafrika.
Eine kleine Sportreportage von Holger Kulick (SV Blau Weiss Berolina Mitte).

Wenn es aus Schülersicht im letzten Schulhalbjahr der Papagenogrundschule neben einer Zirkusprojektwoche noch ein weiteres herausragendes Ereignis gab, dann war es das: Die Papageno-Fußball-Weltmeisterschaft 2010.
Jede Klasse der nicht nur vuvuzuelamusikalischen Grundschule, die zwischen Invaliden- und Bergstraße liegt, vertrat ein Land (das auf der Klassensprecherkonferenz zugelost wurde), lernte viel darüber im Unterricht kennen und bastelte sich passende Trikots, Fan-Zubehör und mehr. Dann traten einen ganzen Vormittag über alle Klassen jahrgangsweise gegeneinander an. Zunächst in einer Vorrundengruppe jeder gegen jeden, dann ermittelten die Erst- und Zweitplatzierten in K.O.-Rundenspielen die Finalteilnehmer. Auf diese Weise spielten die sogenannten JÜL-Klassen (das sind die jahrgangsübergreifenden 1.,2.und 3. Klassen) untereinander ihren Weltmeister aus (dort reüssierte Griechenland 2:0 über Portugal), dann ermittelten die 4. Klassen ihren Champion (im Elfmeterschießen 6:5 gegen Portugal war das Argentinien), bei den 5. Klassen dominierte Spanien 2:1 über Mexiko und unter den 6. Klassen setze sich knapp durch ein alles entscheidendes Strafstoßtor mit 1:0 England gegen Kroatien durch, das sich in dieses WM-Turnier gemogelt hatte.
Hochspannung war in jedem Jahrgang garantiert, denn
fast jede der rund 11minütigen Begegnungen war packender als bis dahin
etliche Vorrundenspiele der ‚echten’ WM. Es gab ja auch einen Anreiz.
Erstens natürlich die Ehre Erster beim ‚Klassenkampf’ zu werden, und
zweitens winkten allen Siegern ganz selbstverständlich echte
Weltmeister-Pokale sowie allen Verlierern Trostpokale mit der
Aufschrift „Beinahe-Weltmeister“, die der Schul-Förderverein gespendet
hatte.
Die Idee hatten wir im benachbarten Sportverein
Blau Weiß Berolina Mitte geboren - maßgeblich Eltern und Spieler der F4.
Es gab dort zunächst den Vorschlag, während der WM mit mehreren
‚Bero’-Mannschaften gleichaltrige Schulklassen herauszufordern, als
kleines Dankeschön, weil unser Verein nachmittags auf dem
Papageno-Schulsportplatz trainieren darf. Aber die Spieler verwarfen
diese Turniervariante schnell. Ihr Argument: „Zu viele Papageno-Schüler
trainieren doch auch in Bero-Teams“, denen würde es das Herz zerreißen,
müssten sie sich entscheiden, wo sie lieber spielen - für 'ihre' Klasse
oder lieber 'ihren' Verein.
Also entstand der nächste Plan:
„Dann muss der SV Berolina-Mitte einfach der Schule helfen, so ein WM-Turnier allein zu
stemmen“. Gesagt, getan.
Erster Anlaufpunkt war die
Klassensprecherkonferenz, wo das Vorhaben umgehend auf Gegenliebe stieß
und zum Dauergesprächsstoff wurde. Regeln wurden aufgestellt, nicht so
streng wie im ‚richtigen’ Jugendfußball sollte es zugehen (wo ein
Torwart dämlicherweise nicht über die Mittellinie spielen darf).
Stattdessen wurde allerdings eine andere Sonderregel erfunden, die festschrieb, dass in jeder
Mannschaft auf dem Platz mindestens 2 Mädchen spielen müssen. „Die
können doch nix“, „Wir haben gar keine Mädchen, die sich für Fußball
interessieren“ war umgehend eine oft gehörte Jungenreaktion. Aber die
Regel blieb in Stein gemeißelt - und zeigte Wirkung. Plötzlich
trainierten auch Mädchen wie selbstverständlich in den Hofpausen auf
dem Schulsportplatz mit und in der Jahrgangsstufe 123 siegte am Ende
mit Griechenland ein Team, das zeitweise sogar vier Mädchen(!) in
seiner siebenköpfigen ‚Mannschaft’ antreten ließ.
Der Weg, das
Turnier durchzusetzen, war allerdings gar nicht so einfach. Zunächst
wurde das Projekt im Förderverein, auf der Gesamtelternvertretung (GEV)
und der Sportlehrerinnenfachkonferenz der Schule vorgestellt - überall
stieß es auf Anhieb auf Begeisterung, bei einigen Lehrern überwog
jedoch überraschende Skepsis, sie reagierten zögerlich. „Passt das
überhaupt noch in den Lehrplan?“ „Wir machen doch schon eine
Zirkusprojektwoche!“ „Ist das ordnungsgemäß auf der Schulkonferenz zu
Schuljahrsbeginn beschlossen worden?“ „Was soll ich als Lehrerin tun,
wenn mich Fußball gar nicht interessiert und meine Schüler bestimmt
auch nicht?“ waren fußballgottseidank nur vereinzelte Gegenargumente.
Außerdem hatten die Schüler das Projekt längst unumkehrbar ins Rollen
gebracht.
Der Terminkalender der Weltfußballorganisation FIFA
kam ihnen zu Hilfe. Das ‚richtige’ WM-Spiel Deutschland-Serbien war für
den 18.6. terminiert worden, mitten während der Schulzeit um 13 Uhr 30.
Außerdem mussten am 17.6. die Noten bereits feststehen. Und die
Zirkusprojektwoche begann erst ein paar Tage später. So war eine
Punktlandung möglich. Der Vorschlag lautete: von morgens bis mittags
Turnier und direkt anschließend LIVE-Übertragung aus Südafrika für alle
in der Turnhalle. Das Schulamt gab unkompliziert das grüne Licht für
kommerzfreies Public Viewing, ein Vater, der beim Fernsehen arbeitet,
organisierte die Technik, wir tüftelten den Spielplan aus und der SV Berolina-Mitte
stellte ‚Profi-Schiedsrichter’ und Schiedsgericht. Die Schulleitung
organisierte, dass es zwischendurch flexibel Mittagessen für alle gab.
Und hintendran hing der Förderverein noch den jährlichen
Schulflohmarkt, damit dort bei selbstgebackenem Kuchen der (Spiel)Tag
gemütlich ausklingen kann.
Und dann fand tatsächlich ein
Fußball-Traumtag statt. Einziges Malheur: ein Schüler verletzte sich
leicht bei einem unabsichtlichen Foulspiel. Und eine einzige Furcht der
Lehrer blieb: Als absolutes Finale wurde um 13 Uhr ein Endspiel Lehrer
gegen Schüler angesetzt. Jede Klasse sollte ihren besten
Turnier-Spieler bzw. ihre Spielerin des Tages nominieren, und da es 15
Klassen gibt, sollten folgerichtig 15 Schüler in einer
‚Weltklasse(n)elf’ gegen 8 bis 10 Lehrern und hilfsweise Eltern
antreten. Bei denen sollten es etwas weniger Spieler(innen) sein, weil
Lehrer schließlich ‚größer’ sind. „15 gegen 10, das ist doch
ungerecht!“, „Wir werden vorgeführt“, „Die Kleinen spielen so super und
wir haben gar keine Übung“, nahmen einige Lehrer dieses Endspiel viel
zu ernst und wollten sich schon drücken. Doch dann erlebte das
Kollegium eine faustdicke Fußballüberraschung.
Anfangs standen
fairerweise tatsächlich nur 10 Schüler auf dem Platz, nachdem aber zwei
Väter gleich etwas übermotiviert (sowie schubsend!) das 1:0 für die
‚Großen’ erstürmten und vor lauter Fußballfieber vergaßen, dieses
Schluss-Spiel als reinen Spielspaß aufzufassen, startete die offensive
Gegenoffensive. Zunächst heimlich wurde von nun an alle 10 Sekunden ein
Schüler mehr aufs Spielfeld geschickt und nach 5 Minuten der Platz ganz
mit Schülern ‚geflutet’. Ein wahres Schülermeer drängte nun das knappe
Dutzend Lehrer einfach Richtung Strafraum ab, so dass der extra
angeheuerte Spielmoderator MC Lücke vom Soccer-Team von ‚Radio Fritz’
via Mikro einräumen musste: „Ein sensationell eigenwilliges Spiel, aber
keiner kann den Ball mehr entdecken!“
Doch dann landete das
Leder – wie taktisch beabsichtigt - mitten aus dem undurchschaubaren
Gewühl heraus per Kunstschuss im Lehrer-Tor. 1:1 und Abpfiff! Mit
diesem fairen Resultat durften alle gemeinsam jubelnd nach Hause gehen.
„So ein schönes Finale“ strahlten nun sogar all die Lehrer, die vorher
Bedenken trugen. Und ein Rückspiel im neuen Schuljahr ist schon so gut
wie abgemacht.
Ein ganz liebes Dankeschön allen, die sich begeistern ließen und bei der Hitze mitgespielt und mitgeholfen haben!








